Distanzlernen-Konzept der Marienschule für den Fall von Schulschließung

Unser Konzept zum Distanzlernen in der Marienschule orientiert sich an den didaktischen Hinweisen für Lehrer/innen, die während der Schulschließung von März bis Mai 2020 vom Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen an die Schulen gesendet wurden. Wir haben die sechs Schwerpunkte des Distanzlernens aufgegriffen und, basierend auf Erfahrungen sowie Ergebnissen einer Eltern- und Schülerbefragung, mit unseren Konzepten und Handlungsvorhaben gefüllt.

So viel Empathie und Beziehungsarbeit wie möglich, so viele Tools und Apps wie nötig

Der Kontakt zu Eltern und Kindern sollte durchgängig gewährleistet sein. Ein E-Mail-Verteiler und der Messenger schul.cloud bilden eine verlässliche Grundlage für die Kommunikation sowie Übermittlung von Informationen. Die Nextcloud als digitaler Materialspeicher sowie Logineo NRW LMS bieten zudem eine sichere und konstante Übermittlungsbasis für Informationen und Arbeitsmaterialien. Alle Klassen stellen sicher, dass die Kontakte eingepflegt werden und neu hinzugekommene Schüler/innen umgehend in die Gruppen eingepflegt werden. Nicht alle Eltern sehen sich in der Lage, die gestellten Aufgaben ihrem Kind fachgerecht zu vermitteln und benötigen die entsprechende Unterstützung durch die Lehrkraft. Diese kann unterstützend Erklärvideos übermitteln oder komplexe Lerninhalte schriftlich näher erläutern. Auch Telefonate mit den Eltern oder je nach Coronalage Elterngespräche unter Einhaltung der Distanzregeln sind bei der Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus wichtig, besonders dann, wenn der Eindruck entsteht, dass es Schwierigkeiten gibt und der Kontakt zum Kind abbricht. Da inzwischen alle Kolleginnen und Kollegen der Marienschule technisches Gerät gestellt bekommen haben, sollten Videokonferenzen ein Baustein sein, um die Beziehungsarbeit zwischen der Lehrkraft und der Klasse zu unterstützen. Hier können Fragen zu den Lernmaterialien geklärt sowie das soziale Miteinander gefördert werden. Während einer Schulschließung ist es erforderlich, dass jedes Kind in seiner zugeteilten Gruppe mindestens 30 Minuten täglich Videokonferenzzeit erhält. Die Gruppen sind so klein zu halten, dass die Zeit effektiv gestaltet werden kann. Die Videozeit beginnt zwischen 08.00 und 08.30 Uhr, damit die Kinder einen strukturierten Tagesstart haben.

So viel Vertrauen und Freiheit wie möglich, so viel Kontrolle und Struktur wie nötig

Es soll ein klarer Konsens darüber bestehen, dass die Pflichtaufgaben, die wir den Kindern im Distanzunterricht auferlegen, verbindlich und vollständig zu bearbeiten sind. Dies erreichen wir durch Arbeitspläne in Form von Tages- oder Wochenplänen. In den Stufen 1 und 2 bieten sich Tagespläne an, da Kinder und auch Eltern nicht immer abschätzen können, wann ein Lernpensum für den Tag erreicht ist und wann es überschritten ist. Die Klassenleitung kann am besten einschätzen, welches Pensum für die Lerngruppe täglich zu schaffen ist und gibt auch den Eltern eine Struktur für den Tag. Wochenpläne sind bei guter Strukturierung auch eine Möglichkeit. Wichtig ist auch die Rückmeldung bzw. Durchsicht der gearbeiteten Aufgaben durch die Lehrkraft. Die Kinder müssen das Gefühl haben, dass ihre Arbeit angesehen und gewürdigt wird und dass es nicht in Ordnung ist, sich zu entziehen. Jedoch kann die Lehrkraft wie in der Schule nicht alle Materialien kontrollieren bzw. detailliert kontrollieren. In den Stufen 3 und 4 kann alternativ mit Wochenplänen gearbeitet werden, da die meisten Kinder der älteren Jahrgänge die Umfänge besser abschätzen können und sich ihre Arbeit selbständig einteilen können. Auch hier ist die Rückmeldung der bearbeiteten Aufgaben wichtig. In Logineo NRW LMS gibt es dazu verschiedene Abgabe- und Rückmeldefunktionen, die nach und nach genutzt werden können.

So viel einfache Technik wie möglich, so viel neue Technik wie nötig

Um die Potenziale digitaler Technik ausschöpfen zu können, müssen grundlegende Kompetenzen bei Kindern, Eltern und Pädagogen vorausgesetzt werden. Das Kollegium der Marienschule wurde im Sommer 2020 in der Coronakrise mit iPads ausgestattet. Der technische Kenntnisstand war bei den Kolleginnen und Kollegen unterschiedlich ausgeprägt. Während die einen sich wie selbstverständlich einer Vielzahl digitaler Werkzeuge bedienten und mit ihnen arbeiteten, sahen sich einzelne extrem herausgefordert, Schritt zu halten, weil ihnen die grundlegenden Fähigkeiten und Kenntnisse im Umgang mit der neuen digitalen Technik fehlten. Im Rahmen kollegiumsinterner Workshops bemühen sich die technisch versierteren Kolleginnen ihr Wissen und Können zu multiplizieren und bieten ihre Unterstützung an. Hierzu wurden auch zwei Lehrkräfte als Medienbeauftragte seit mehreren Jahren in externen Fortbildungen geschult. Für den Fall von Schulschließung sind mittlerweile alle Lehrkräfte in der Lage, Videokonferenzen mit ihren Lerngruppen abzuhalten. In den letzten Monaten haben alle Lehrkräfte sich in Logineo NRW LMS eingearbeitet und füllen nun die aufgebaute Kursstruktur. Jitsi wurde als Videotool von uns eingebunden, so dass der Zugang zur Videositzung für alle erleichtert wurde. Zudem wird ein sicherer Server genutzt, der eine konstante Verbindung ermöglicht. Für dieses Jahr wurde eine Fobizz-Flatrate gebucht, so dass sich alle Lehrkräfte je nach Bedarf im ganzen Jahr im Medienbereich fortbilden können.

So viel asynchrone Kommunikation wie möglich, soviel synchrone wie nötig

Während der ersten Schulschließung haben wir gedacht, dass wir von den Familien nicht erwarten können, dass sie es ihren Kindern ermöglichen, zu festen Terminen mit internetfähigen Geräten ausgestattet an terminlich festgelegten Videokonferenzen teilzunehmen, zumal unsere Kinder in der Regel noch über kein eigenes Gerät verfügten. Videokonferenzen stellten deshalb auch nur ein Angebot dar und keine Verpflichtung. Befragungen unter den Kindern und auch Eltern ergaben, dass sich 92% der Eltern und 80% der Kinder regelmäßige Videokonferenzen wünschten, die je nach Klassenstufe 20-60 Minuten andauern sollten. Nachdem Anträge zu noch mehr Tablets und der Ausleihmöglichkeit bis zu dieser Woche nicht erfolgreich waren, empfahlen wir den Eltern in der Zwischenzeit den Kauf von Tablets. Seit Mitte dieser Woche dürfen wir Tablets verleihen. Bei weiteren Schulschließungen sollen alle Kinder mindestens 30 Minuten Videokonferenzzeit erhalten, je nach Alter auch mehr. Durch die Teilnahme von Geschwisterkindern an verschiedenen Konferenzen werden die Zeiten abgesprochen und zeitversetzt, damit die Familien mit einem Gerät auskommen können. Pausen in der Lernzeit werden von den Lehrkräften vorgegeben, damit die Pausen auch von den Kindern in der Schulbetreuung vor Ort wahrgenommen werden können. Am Ende der Hauptlernzeit zwischen 11.00 und 12.00 Uhr findet für jede Gruppe eine Videofragerunde statt, an der die Kinder je nach Bedarf teilnehmen können. Zwischendurch und danach finden bei Bedarf individuelle Lernzeitbetreuungen der Kinder statt, im Anschluss auch Elternberatungen bei aufkommenden Fragen. Um dem Zeitdruck und der Schwierigkeit zu entsprechen, alle Kinder zeitgleich zu unterrichten, werden Erklärvideos zu den entsprechenden Themen z.B. über Sofatutor in Logineo LMS eingestellt oder Erklärvideos selbst aufgezeichnet und ebenfalls in Logineo LMS abgespeichert. Das hat den Vorteil, dass sich Schüler und Eltern noch flexibler mit den Inhalten auseinandersetzen können. Auf Logineo LMS werden zudem zusätzliche Förder- und Fordermaterialien sowie Materialien für alle Fächer eingestellt. Fazit: Asynchrone Kommunikation ist im Vergleich zu synchroner Kommunikation technisch weniger aufwändig und erhöht in Lernprozessen die Selbstbestimmung.

So viel offene Projektarbeit wie möglich, so viele kleinschrittige Übungen wie nötig

Bei der Auswahl des Lernmaterials sollten die Schüler/innen nicht überfrachtet werden mit zahllosen Arbeitsblättern. Eine überschaubare und zunächst für alle Schüler/innen gut zu bewältigende Menge sollte den Grundstock bilden. Dabei sollten die Aufgaben abwechslungs-reich und optisch ansprechend sein. Arbeit in Projektgruppen kann unter bestimmten technischen Voraussetzungen möglich sein und in den Jahrgängen 3 und 4 angebahnt werden. Wir haben in den Klassenräumen auf Logineo LMS neben den normalen Chaträumen noch Gruppenchats eingerichtet, so dass einzelne Kinder Gruppen- bzw. Projektarbeit durchführen können. Da es nicht sicher war, ob es im Schuljahr 2020/21 zu erneuten Schließungen kommen würde, haben sich die Jahrgangs- und Montessoriklassen in den Fächern Deutsch und Mathematik auf gleiche Lehrwerke verständigt und sich inhaltlich abgesprochen, um die Lerngruppen gegenseitig betreuen und enger als Team zusammenarbeiten zu können.

So viel Peer-Feedback wie möglich, so viel Feedback von Lehrenden wie nötig

Auch wenn die Schüler/innen verpflichtet sind, die Aufgaben im Distanzlernen zu erledigen, sollte ihnen kein Nachteil daraus entstehen, wenn sie diese in ihren individuellen häuslichen Situationen nicht in dem geforderten Maße schaffen. Uns ist bewusst, dass die Kinder, die schon im regulären Schulbetrieb wenig Hilfe und Unterstützung erfahren, während der Zeit des Distanzlernens noch stärker benachteiligt sind als andere, denen viel geholfen wird. Schlechte oder nicht rechtzeitig erbrachte Leistungen sollten wir zum Anlass nehmen, gezielt und beratend aktiv zu werden. Leistungen, die zu Hause mit viel oder wenig Unterstützung erbracht wurden, sind nicht objektiv zu bewerten. Kinder mit Lernschwierigkeiten und fehlender häuslicher Unterstützung sowie familiären Problemen sollen in Zeiten von Schulschließung möglichst in der Schule betreut werden. Eltern werden dazu gezielt angesprochen. Es ist wichtig, den Kindern insgesamt Feedback zu geben und sie zu loben, wenn sie es geschafft haben, Aufgaben zu erledigen, ob mit oder ohne Hilfe. Peer-Feedback ist genauso wichtig, da andere in derselben Situation sind und sich die Lernenden gegenseitig motivieren und unterstützen können. Peer-Feedback unter den Kindern der Marienschule könnte in den Videokonferenzen erfolgen, indem Kinder sich gegenseitig ihre Arbeitsergebnisse vorstellen oder sich über ihre Arbeitsweise austauschen, sich gegenseitig Tipps geben oder auch ihr Leid klagen können. Auch dafür sind die Gruppenräume nutzbar.  

Résumé

Die vergangenen Monate haben nicht nur uns als Team vor enorme Herausforderungen gestellt, sondern auch die Kinder und noch mehr die Eltern. Die Ergebnisse unserer Umfragen unter Kindern und Eltern haben uns gezeigt, dass wir in vielen Bereichen kompetent und vorbildlich auf die für alle neue Situation reagiert und unsere Kinder durch die Krise manövriert haben. Wir sahen aber nach der ersten Schulschließung noch weiteres Potential für Zeiten von Distanzunterricht, so dass wir Logineo LMS eingeführt und ausgebaut haben. Die Kommunikation und der Datenaustausch zwischen Kindern und Lehrkräften sowie die Zusammenarbeit der Lehrkräfte wird damit enorm unterstützt.

Minimalkonsens im ersten Teil des Schuljahres 2020/2021

– mindestens einmal in der Woche eine Videokonferenz,

– Arbeitspläne in Form von Tages- oder Wochenplänen mit verbindlichen Aufgaben in den Fächern Deutsch und Mathematik,

– durch die Benutzung der gleichen Lehrwerke wird gewährleistet, dass Jahrgangsstufen inhaltliche Schwerpunkte zeitgleich bearbeiten,

– Lehrer sind nach dem Unterricht oder zu festgelegten Zeiten für Eltern über Telefon bzw. über schul.cloud erreichbar.

Minimalkonsens im zweiten Teil des Schuljahres 2020/2021

– Einstellung von Arbeitsplänen und Materialien in Logineo LMS,

– mindestens täglich eine Videokonferenz für jede Teilgruppe von mindestens 30 Minuten,

– einmal täglich zwischen 11.00 und 12.00 Uhr eine Videofragerunde, die Teilnahme ist in den meisten Fällen für die Kinder freigestellt,

– Arbeitspläne in Form von Tages- oder Wochenplänen mit verbindlichen Pflichtaufgaben in den Fächern Deutsch und Mathematik,

– zusätzliche Förder- und Forderangebote in Logineo LMS, auch in anderen Fächern, insbesondere Sachunterricht und Englisch,

– einheitliche Sportangebote für alle Klassen in Logineo LMS,

– durch die Benutzung der gleichen Lehrwerke wird gewährleistet, dass Jahrgangsstufen inhaltliche Schwerpunkte fast zeitgleich bearbeiten können,

– Lehrer sind nach dem Unterricht oder zu festgelegten Zeiten für Eltern über Telefon bzw. über schul.cloud erreichbar,

– nach Verlängerung des Lockdowns Erweiterung der Arbeitspläne mit Aufgaben in den Fächern Englisch und Sachunterricht.  

 

Leistungsbewertung im Distanzunterricht

Auch Phasen von Distanzunterricht sollen in die Bewertung der erteilten Fächer einfließen. Dies setzt voraus, dass Pflichtaufgaben des Distanzunterrichtes von den Schülerinnen und Schülern zuverlässig zu erledigen sind. Das Kollegium muss bei der Aufgabenstellung und der Aufgabenbereitstellung jedoch auch die individuellen häuslichen und digitalen Voraussetzungen beachten. Wie im Präsenzunterricht ist es nicht möglich und nicht notwendig jede erbrachte Leistung der Schüler/innen zu bewerten. Es ist jedoch wichtig, dass vor allem die Klassenleitung mit den Kindern kontinuierlich Kontakt hält und ihnen Feedback zu ihren Arbeitsaufgaben und Leistungen gibt. Die Kinder erhalten eine Rückmeldung zu ihren Stärken und Schwächen sowie Hinweise zum Weiterlernen. Den Schülerinnen und Schülern ist transparent zu machen, welche ihrer Leistungen in die Leistungsbewertung einfließen. Die Leistungsbewertung erstreckt sich auf die im Distanzunterricht oder zuvor in der Schule vermittelten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schüler/innen. Klassenarbeiten finden im Rahmen des Präsenzunterrichtes statt. Sie müssen unter schulischer Aufsicht geschrieben werden, da nur so ein zutreffendes Bild von den tatsächlich vorhandenen Kenntnissen und Fähigkeiten der Schüler/innen vermittelt wird. Während des Distanzunterrichts können vorbereitende Übungsformate für die Klassenarbeiten behandelt werden.

Für die Leistungsfeststellung im Distanzunterricht können unterschiedliche Formate eingesetzt werden:

- (Unterrichts-)Dokumentationen (z. B. Arbeitsblätter, Mappe, Heft, Lerntagebuch, Portfolio),

- Langzeitaufgaben und (Lernwerkstatt-)Projekte, Erklärvideos,

- Abgabe schriftlicher Ausarbeitungen,

- Bewertung von weiteren Handlungsprodukten (z. B. Bilder, Zeichnungen),

- Präsentationen, auch mediengestützt, hier können sowohl die Durchführung der Präsentation als auch die übrigen Medien zur Leistungsfeststellung herangezogen werden,

- Beiträge und mündliche Überprüfungen innerhalb einer Videokonferenz,

- mündliche Überprüfungen.